Kirchenmusik in Telfes

Die Anfänge, erste Nennungen

Sicher gab es schon früh Ensembles für die festlichen Messen in der Mutterpfarre des Tales, von denen wir aber keine Erwähnung kennen.

1761 wurden die Reliquien des Hl. Facundus in die damals neu erbaute Pfarrkirche in Telfes übertragen. Ein Andachtsbuch des Heiligen (Pfarrarchiv) berichtet:„... Nach anderthalb Stunden beyläufig daurenden Umzug unter hell-lautendem Gebett / geistlichen Gesängern / Trompeten- und Paucken-Schall / in begleitung der ganzen Clerisey / und Ihro Hochbischöflichen Gnaden Herrn Weyh-Bischof / so in Pontificalibus assistiret / wie auch deren obbesagten hochadelichen Personen / ist endlich in die vor einigen Jahren groß und schön erbaute Pfarr-Kirche zu Telfes das Heiligthum mit abgesungenen Ambrosianischen Hymno: Te Deum &c. auf den darzu bereiteten Mutter Gottes-Altar übersetzet worden. Darauf wurde ... die ganze Feyerlichkeit mit einem von dem Hochwürdigsten Dom-Scholastico zu Brixen unter kunstreicher angestimmten Music und neuer Orgel-Klang abgesungenen Hoch-Amt / und darauf von Sr. Hochbischöfl. Gnaden ertheilter Heil. Firmung beschlossen.“

1760 ist von einer Spende für die neue Orgel zu lesen, Ausgaben für „Chor-Musikanten“ sind aus den Jahren 1775 bis 1779 bekannt, auch für Ausbesserungsarbeiten an der Orgel. Der „Supernumerarius Johann Jakob Stadler“ fungierte 1767 als Schullehrer und Organist.

 

Musikleben, Handwerk und Handel blühen auf

Aus dem 19. Jahrhundert haben sich Musik-Handschriften, darunter Autographe, erhalten.

                                          

Für die lokale Musikgeschichte sind dabei drei Lieder besonders interessant, datiert 1821, für dreistimmigen Chor und Harmoniemusik (2 Klarinetten oder Flöten, 2 Hörner, Fagott), Text und Musik von Joseph Lindner, am Titelblatt steht zu lesen: „Glück-Wunsch zum Namens-Feste des Herrn Joseph Kremser gewidmet von seinen Kindern“. Joseph Kremser galt als tüchtiger Unternehmer, über ihn heißt es im Buch „Stubei“ von 1891 (S. 692):

„…Lob verdiente der Kupferschmiedmeister Joseph Kremser zu Telfes, welcher außerhalb des Dorfes unter Verwerthung des von den Telfer Alpen herabrinnenden Wassers sich eine völlige Fabrik mit Maschinenbetrieb, und zwar ‚durch eigenes Nachdenken‘, eingerichtet hat. … Außer der gewerblichen Wirtschaft betrieb dieser Mann auch noch die Landwirtschaft, pflegte in seinen freien Stunden die Musik, indem er Flöte, Klarinette und Fagott spielte und dazu noch Musikunterricht ertheilte.“

Die Kirchenmusik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde wahrscheinlich vom Kooperator Joseph Zangerle und dem Organisten und Schulgehilfen Johann Stippler geleitet, das lässt sich aus Belegen über Ausgaben schließen.

Rechnungen bestätigen ein reges musikalisches Leben mit Ausgaben „für Ausbesserung der Musik-Instrumenten“, „den Musikanten für Saiten und Orgelpfeifen einsetzen“, „denen Musikanten an Diaeten für die hohen Festtage“ (1832 – 1858). 

Franz Leitgeb – Lehrer und Organist

1852 wurde Franz Leitgeb (1816 - 1890) „provisorisch angestellter Organist“, übernahm damit auch die Leitung der Kirchenmusik und prägte für die nächsten Jahrzehnte die Sakralmusik in Telfes.

Seine Ausbildung zum Organisten erhielt er von Pfarrer Josef Ignaz Moritz (1786 – 1866). Zwischen 1829 und 1835 war Josef Moritz, von dem es im Nachruf heißt, er habe sich durch „Talent, Wissenschaft und Frömmigkeit ausgezeichnet“ (Tiroler Stimmen, 3. Jan 1867)  Domorganist in Brixen gewesen, und von 1849 bis zu seinem Tod wirkte als Pfarrer in Telfes.

 Leitgeb war auch der erste „weltliche“ Lehrer in der Telfer Schule, ebenfalls durch Förderung von Pfarrer Moritz.   

Flötenstimme einer Messe von Georg Pichler 1856 geschrieben und signiert von Franz Leitgeb                                          

Der vermehrte Einsatz von Bläsern in der Kirchenmusik könnte auf die Gründung einer Pfarrmusik hinweisen, einer kleinen Blaskapelle für kirchliche Anlässe. Immer wieder ist in Rechnungen die Rede von „Franz Leitgeb und seinen Musikanten“. Von Leitgebs Handschriften sind einige wenige erhalten, zum Teil ebenfalls als Notenmappen. 

In seinen Kirchenmusik-Arrangements verwendete er die Instrumente der aufblühenden Blasmusik (Flügelhorn, Bombardon, Maschinhörner, …). Das früheste dieser Beispiele ist die „Kleine lateinische Messe“ (so der Titel der Druckausgabe) von Alois Baur. Sie liegt sowohl in einer älteren Abschrift der Originalbesetzung als auch in einer Bläserbearbeitung Leitgebs vor (1856).  „Christus am Ölberg“ von Aloys Eidt  hat Leitgeb mehrmals umgearbeitet, die Instrumentation immer wieder den neuen Gegebenheiten anpassen. 

 

Instrumente und Instrumenten-Teile als Zeugen traditionsreicher Musikkultur

2 Klarinetten von ca. 1830  Inventionen für Hörner und Trompeten

Bis heute gespielt werden die Pauken, der Überlieferung nach den Telfer „Kupferschmieden“ zu verdanken. Bis ins 20. Jahrhundert erhalten hat sich eine Bespannung, auf der  „Dreikönig 1877“ vermerkt war (heute verschollen).

Die Pauken sind allerdings barocken Ursprungs.

 

Die Weber-Orgel – ein Kunstdenkmal

Pfarrer Josef Moritz dürfte dann auch beim Bau der neuen Orgel sein Wissen eingebracht haben.

Beim Brand nach einem Blitzschlag am 17. August 1863 war der Hochaltar, die Sakristei und die Orgel schwer beschädigt worden, so kann man  in den „Innsbrucker Nachrichten“ lesen.

Franz Weber, Orgelbaumeister aus Oberperfuß

Den Neubau der Orgel übernahm für den Betrag von 3600 fl. Franz Weber (1825 – 1914). „Diese Orgel bauthe Franciskus Weber von Oberperfuß im Jahr 1865 zur Größern Ehre Gottes“, so steht es am Windkanal. Weber führte den traditionellen Orgelbau mit mechanischer Traktur fort und so entstand für Telfes ein recht großes, nicht gerade leicht zu spielendes Instrument mit raumfüllendem Plenum, das heute noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. Das Orgelgehäuse wurde der damaligen – neuromanischen – Kirchenausstattung  angepasst. Die Orgel steht unter Denkmalschutz.

1988 wurde von der Firma Pirchner eine gründliche Restaurierung durchgeführt, ebenso im Jahr 2007 von der Südtiroler Orgelbaufirma Baumann.  

Spieltisch der  Weber-Orgel in Telfes

Kirchenmusik im Geist des Caecilianismus-eine gründliche Reform

1883 wurde der Caecilienverein für das Stubaital gegründet und bald tat er tat seine Wirkung auch in der Telfer Kirchenmusik, wie es in einer Ortsbeschreibung von Dr. Hausotter 1885 erwähnt wird.

Die ersten Caecilienvereine entstanden in Tirol, mit dem Ziel, die Kirchenmusik zu reformieren und Fehlentwicklungen zu beseitigen. Die Kirchenmusik des Barock, der Klassik und des frühen 19. Jahrhunderts wurde als zu „unkirchlich“ angesehen, Palästrinas Kirchenmusik galt hingegen als Ideal. Diesem Trend zu einer ernsten Musik für die Kirche gaben die Caecilienvereine entsprechende Anleitung. Weite Teile der katholischen Welt (auch in den USA wurde in den 1870iger Jahren eine Gesellschaft gegründet – Singenberger war 30 Jahre deren Präsident) wurden von dieser Strömung erfasst. Von der Hand Franz Leitgebs stammt die Abschrift einer Messe von Johann Baptist Singenberger (1848 – 1924). Die Kopie trägt das Datum 1886 und ist vermutlich die im unten genannten Repertorium angeführte „Missa zu Ehren Joh. d. Täufers“ in F für drei Singstimmen und Orgel (SAB).

Nach 36jähriger Tätigkeit trat dann Franz Leitgeb mit 1. September 1888 als Organist und Chorleiter aus Altersgründen zu Gunsten seines Neffen, des Lehrers Josef Haas (1868 – 1943), zurück, wie ein Revers dokumentiert:

„ … nicht blos zur Versorgung des Orgelspiels, sondern auch zur Erhaltung u. Leitung eines kirchlichen Gesanges sowie zur Übernahme des Choral-Gesanges bei allen kirchlichen Funktionen während des Kirchenjahres.“

Der Revers wurde seitens der Pfarre unterzeichnet von Veith Franz, Provisor. 

Am 1. November 1888, also zwei Monate später, legte der Pfarrprovisor ein „Repertorium“ für die Kirchenmusik in Telfes an. Darin wurde die Sakralliteratur der Pfarre Telfes aufgelistet: ausschließlich Werke von Komponisten, die als „kirchlich“, also caecilianisch, galten. Darin ist auch festgehalten, welche Feste musikalisch wie zu gestalten sind (z.B. mit Credo oder ohne) und an welchen Festtagen eine „Vesper“ zu singen war. „Solemne Ämter“ („Rauchämter“) gab es an 16 Festtagen im Jahr, zu sechs Anlässen war ein „Te Deum“ bereit zu halten. Die Mitwirkung von Instrumenten war, so lässt sich aus den aufgelisteten Werken schließen, eher nicht vorgesehen.

Werke von Mitterer, Zangl, Höllwarth und Schöpf bildeten den Grundbestand und gehörten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zum Repertoire des Chores.

Handschriften früherer Werke (auch die von Franz Leitgeb)

wurden zu Notenmappen für die neuen Kirchenmusikalien verarbeitet.

Der neue Chorleiter Josef Haas trat zeitgleich auch den Dienst als Lehrer an der Schule in Telfes an, für 83 schulpflichtige Kinder. 

In der 1869 entstandenen Musikkapelle scheint Josef Haas die Kapellmeisterstelle übernommen zu haben, jedenfalls wird er 1897 als Verantwortlicher der „Feld-Musik“ in einer Gemeinde-Rechnung genannt.  

 

Josef Haas, Ober-Lehrer, Chorleiter, Kapellmeister

 

Schwierige Zeiten

Zu Beginn der 30er Jahre übernahm die Leitung des Kirchenchores Heinrich Haas, der Sohn von Josef Haas, ebenfalls Lehrer in Telfes. Er führte den Chor bis zu seinem Einrücken zur Wehrmacht im Herbst 1940, dann wieder ab 1945.

Während der Abwesenheit von Haas übernahm der musikalisch begabte und interessierte Seelsorger Franz Obholzer gemeinsam mit der Organistin Marianna Schafferer die Betreuung des Chores.

Nach dem frühen Tod von Heinrich Haas im Jahre 1950 wurde die Chorleitung wiederum von Pfarrer Obholzer und Marianna Schafferer übernommen, ab 1952 von Marianna Schafferer und der geprüften Kirchenmusikerin Rosl Schafferer.

1959 übernahm deren Gatte Arnold Pöll die Chorleitung, der bis 1965 in Telfes wohnte, dann aber nach Innsbruck übersiedelte. Dadurch kam das Chorleben zum Erliegen, der Kirchenchor löste sich auf. Die Gestaltung von festlichen Gottesdiensten lag nun vorwiegend in Händen der Blasmusik, den Organisten-Dienst führte Marianna Schafferer weiter bis 1986, aushilfsweise bis 1994.

 

Ein Neubeginn

Am Heiligen Abend 1975 trug ein neu formierter Kirchenchor mit drei Weihnachtsliedern zur Gestaltung der Christmette bei. Die Anregung zur Neugründung ging von Hans Lacher aus, die musikalische Leitung übernahm Josef Wetzinger, der damals gerade an der pädagogischen Akademie die Ausbildung zum Lehrer absolvierte.  

Für diesen Neuanfang standen Sängerinnen und Sänger des früheren Kirchenchores und neue Kräfte zur Verfügung. Die zunächst verwendete Literatur stellte eine Verbindung zu früheren Zeiten her: Zu Ostern 1976 erklang die „Deutsche Messe“ von Anton Faist, Weihnachten 1976 dann als erstes Werk in lateinischer Sprache die „Pastoralmesse“ von Ignaz Reimann.

 

Instrumente bereichern den Klang

Josef Wetzinger suchte nach anderen Möglichkeiten in Klang und Literatur, die Verknüpfung von Instrumenten und Stimmen als Ziel vor Augen.Den ersten Schritt stellte die Zusammenarbeit mit Instrumentalisten in der genannten Pastoralmesse her, dann folgte die „St. Ludwigs-Messe“ von Gregor J. Zangl, dem Begründer des Tiroler Caecilienvereins, dar. Die Instrumentation war zunächst noch unausgewogen, allerdings wirkten schon damals Streich- und Blasinstrumente mit, und, als völlige Neuheit, die barocken Kirchenpauken wurden restauriert und wieder eingesetzt.

Die Missa „Fac Bonum“ von Joh. Val. Rathgeber, die zu Ostern 1979 erklang, leitete eine neue Ära ein: Barockmusik und „ältere Musik“ traten an die Stelle des cäcilianischen Repertoires.

Chorleiter Wetzinger strebte auch danach, Unbekanntes in den Festmessen erklingen zu lassen. Durch die vorliegenden Quellen in Form von Handschriften im Chorarchiv angeregt, begann die Auseinandersetzung mit Tirols Kirchenmusik des 18. und 19. Jahrhunderts. 

 

Tiroler Kirchenmusik als Hauptthema

In den 1980er Jahren brachte der Kirchenchor Telfes eine Reihe von Werken vergessener Tiroler Komponisten zur Aufführung:

Messen von Alois Baur (1794 - 1872),  Matthäus Nagiller (1815 - 1874), Martin Goller (1764 - 1836) und Johann Baptist Gänsbacher (1778 - 1844). Dem Letztgenannten - am Höhepunkt seiner Laufbahn Domkapellmeister zu St. Stephan in Wien - widmete sich der Chor ganz besonders: Seine Messe in C, op. 41 wurde 1984 auch in Sterzing, dem Geburtsort Gänsbachers, aufgeführt.

Kirchenchor und Kirchenmusik Telfes vor der St. Margarethen-Kirche in Sterzing, 1984

 

Durch diese vertieften Aktivitäten des Chores folgten ehrenvolle Einladungen

1985: Gestaltung des Festgottesdienstes zur Eröffnung der Kinder- und Familienfestwochen mit der „Missa Solemnis“ von Martin Goller.

1987: Konzert der „Kulturinitiative Stubai“ in der Aula der Hauptschule Fulpmes: Messe Nr. II von Gänsbacher (diese Aufführung war der Beginn der später durch Dr. Manfred Schneider im Tiroler Landesmuseum-Ferdinandeum fortgesetzten Gänsbacher-Renaissance).

1989: Konzert der „Kulturinitiative Stubai“: Requiem in Es, op. 15 von Gänsbacher (in der Pfarrkirche Fulpmes und 1991 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck). 

 

Mozart, Haydn, Schubert …

Ab 1990 setzte die Begegnung mit Werken der klassischen Kirchenmusik ein, die aufführbaren Werke von Mozart, Haydn und Schubert wurden, vermutlich zum ersten Mal in Telfes, musiziert. Der Anspruch an sich selbst und an die dargebotene Literatur hatte sich stark weiterentwickelt.

Dafür standen ein Streicherensemble, geführt von Karin Rothenbuchner, und Bläser aus der Musikkapelle neben dem ambitionierten Chor zur Verfügung. Soweit erforderlich, wurden auch Musiker/innen engagiert, woraus sich beachtliche Aufführungen und erfreuliche Kontakte mit hohem pädagogischen Wert entwickelten. Die Aktivitäten des Chorleiters bei den Konzerten im Tiroler Landesmuseum-Ferdinandeum kamen hierbei sehr zu Gute. 

In diesen Jahren begann man auch, Kirchenkonzerte zu veranstalten, z. B.

1991 Pfarrkirche Telfes – Mozart und Zeitgenossen

1993 Pfarrkirche Telfes – Haydn, Mozart, Tuma

1994 Pfarrkirche Telfes – Bach – Buxtehude, Gänsbacher, Mozart

1994 Pfarrkirche Telfes – Weihnachtskonzert am 29. Dezember (Telemann, Bach)

1995 Pfarrkirche Telfes – Weihnachtskonzert mit barocken Werken zum 20jährigen Bestehen

1997 in der Pfarrkirche Neustift ein Weihnachtskonzert „In dulci jubilo“ mit Kantaten von Telemann

 

In Zusammenarbeit mit den Nachbarn 

Der 1994 neu gegründete, ebenfalls unter der Leitung von Josef Wetzinger stehende, Kirchenchor Fulpmes, wurde ein Partner für größere Vorhaben:

1997: Franz Schubert: „Messe in G-Dur“

1998: Carl M. v. Weber: „Jubelmesse“ (zum „Fest der Romantik“)

1999: Franz Schubert: Messe in B

2000: Kirchenkonzert in Götzens mit Werken der Bach-Familie

2001: Konzert mit Werken der Bach-Familie in Fulpmes und Kastelruth

2002: Konzert mit Webers „Jubelmesse“ in Telfes und Kastelruth 

 

Ab 2004 schlossen sich die Kirchenchöre von Fulpmes und Telfes und die Instrumentalisten zum gemeinsamen Wirken im Verein „Kirchenchor und Kirchenmusik Fulpmes-Telfes“ zusammen. 

 

Text: Josef Wetzinger
Quellen: Mitteilungen der Ortschronistin Erika Haas
Dokumente des Pfarrarchivs der Pfarre Telfes und des Archivs des Kirchenchores
Fotos: privat / Archiv des Kirchenchores  
 

Aus dem Repertoire des Kirchenchores Telfes:

A. Diabelli: Pastoralmesse in F und Messe in Es

J. Haydn: Missa Brevis in F („Jugendmesse“)

J. Haydn: Missa Brevis in B („kl. Orgelmesse“)

K. Kempter: Pastoralmesse in G

W. A. Mozart: Missa Brevis in G, K 140 (Pastoralmesse)

W. A. Mozart: Missa Brevis in C, K 220 (Spatzenmesse)

W. A. Mozart: Missa Brevis in C, K 256 (Orgelsolomesse)

W. A. Mozart: Missa Brevis in C, K 258 (Piccolomini-Messe)

Fr. X. Richter: Missa in C

Fr. Schubert: Messe in G

Fr. Schubert: Deutsche Messe

P. Grießbacher: Missa Stella Maris

M. Filke: Missa in G

K. Schmider: Deutsche Messe

 

Von Tiroler Komponisten:

E. Angerer: Missa Pastoritia

Joh. Gänsbacher: Missa in C Nr. II (f. d. Fürsten Esterhazy)

Joh. Gänsbacher: Missa in C, op 41 („Jubilai“)

Joh. Gänsbacher: Requiem Nr. I in Es

M. Nagiller: Landmesse Nr. 1 und Nr. 2

A. Baur: Kleine lat. Messe und Messe in B

Jos. Gr. Zangl: “St. Ludwig’s-Messe“ und „Cassian-Messe“

 

Kirchenmusik in Fulpmes

Von Maria Waldrast

Im Jahre 1747 wurde der Kirchenbau in Fulpmes vollendet, und die Ortsbewohner bemühten sich um die Errichtung einer eigenen Kuratie. Gegen den Widerstand des Pfarrers von Telfes begannen am Palmsonntag 1748 die „Ordinari“-Gottesdienste.
Der erste Kurat Georg Tangl ließ von Orgelbaumeister Johann Jäger aus Hindelang für 1300 fl. eine neue Orgel errichten, was eine Art Grundsteinlegung für die Kirchenmusik darstellte. Weil, wie in Pfarrer Zimmermanns Chronik Jahrzehnte später erwähnt wird, „man hier alles prächtig haben will“, bildete sich in kurzer Zeit ein ambitioniertes Vokal- und Instrumental-Ensemble.
Die Grundlagen dafür holten sich die Musikbegeisterten im Kloster Maria Waldrast, so wird es tradiert. Über die Musikpflege des Bergklosters kann man nachlesen, 

„... dass sie daselbst Tag und Nacht den Chor halten ... und einige arme Knaben in der Musik und lateinischen Sprache unterrichten“.

Die solchermaßen Ausgebildeten sorgten für rasche Multiplikation in einem offenbar musikhungrigen Klima, sodass ein selbstbewusstes, eigenständiges Musizieren, über die Kirche hinaus, seinen Ausgang nahm.  

 

Musikhandschriften geben Aufschluss

In Fulpmes finden sich Musikhandschriften, meist in Privatbesitz, die ein blühendes Musikleben dokumentieren.

Die„Missa Solemnis Ex C“ von P. Wolfgang Strecke („in usum chori S. Vittum in Fulpmes 1784 Th. H.“), einem Franziskaner der „Provinz Tyrol“, stellt die früheste Kirchenmusik in Fulpmes dar (Privatarchiv Dr. Barbara Halbeis-Alexander).
Thomas Happacher (1752 in Fulpmes geboren), der erste namentlich bekannte Kirchenmusiker(„Th. H.“) ist damit verbunden. Die Messe sieht neben vier Singstimmen, 2 Oboen, Trompeten (in manchen Teilen Hörner), Pauken, Streicher und Orgel vor. Eine der Pauken fand sich vor einigen Jahren in einem Fulpmer Dachboden.
Die Oboen-Stimmen wurden nachträglich, 1796 von Thomas Happacher ergänzend hinzugefügt, ebenfalls eine Stimme „Clarino prinzipalo“. Damit wird uns das Klangbild der Fulpmer Kirchenmusik des späten 18. Jahrhunderts vor Augen geführt.

Verschiedene weltliche Orchester-Werke von namhaften Tiroler Komponisten wie Malzat oder Paluselli, die Abschrift einer Symphonie (ohne Angabe des Autors) trägt die Datierung 1776, belegen, dass Happacher mit seinen Musikern verschiedenste Musikgattungen pflegte. Bemerkenswert ist auch der Kontakt der Kirchenmusik Fulpmes zum Stift Stams, in dieser Zeit eine  der wichtigen Musizierstätten des Landes war. 

 

 

 

 

 

                     

Dafür geben Zeugnisdie SERENATA von Stephan Paluselli  und die „SYPMHONIA Ex C“ von Michael Malzat.

1792 kopiert, „In usum Thoman Hapacher in Fulpmes“

(beide in Privatbesitz – Sammlung Gottfried Kapferer). 

 

Aber auch von Fulpmes nach Stams gab es Bewegung: Notenmaterial von zwei Werken Johann Gänsbachers,  „in uso al Coro Sti. Viti M. in fulpmes –A. 1797 Tomaso Hapacher“, findet sich heute im Stamser Stiftsarchiv.


Die Fulpmer haben sehr auf sich und ihre Musikkultur gehalten und erteilten dem jungen Komponisten Johann Gänsbacher Kompositionsaufträge. Er studierte damals in Innsbruck und in seinen „Denkwürdigkeiten“ findet man folgende Erwähnung: 

„Für die Kirche in Vulpens (Stubaithal) verfertigte ich mehrere Seegen- und Prediglieder, wovon das Stück mit 42 kr, bezahlt wurde.“

Datiert mit 1794 und 1797 liegen zwei Arien („pro Adventu“, „Vom Englischen Gruß“) von Gänsbacher mit dem Besitzvermerk Happachers vor, die sich heute im Musikarchiv des Stiftes Stams befinden (Mitteilung von Frau Dr. Hildegard Herrmann-Schneider).

 

Die „Aria Tono G“ wurde auf der CD „Weihnachten in Fulpmes“

vom Kirchenchor Fulpmes-Telfes eingespielt. 

 

             

 

            

Thomas Happacher endete auf tragische Weise, er wurde 1817 

„von Bösewichten gewaltthätigerweise ermordet “,

so liest man  im Totenbuch.  

Martin Happacher (1804 – 1834) war „Lehrer und Organist“ in Fulpmes und führte vermutlich die Tätigkeit seines Großvaters Thomas in der Kirchenmusik fort.

Er verstarb, erst 30jährig, an Nervenfieber. 

 

 

Industrieller Fortschritt  - Mäzenatentum

Michael Pfurtscheller, der „Grander“, der die „Industrielle Revolution“ im Stubaital umsetzte  und durch politisch kluges Handeln allgemeinen Wohlstand förderte, war auch an einer entsprechenden, bürgerlich ausgeprägten Repräsentation seiner Stellung durch Musik in allen Formen interessiert. So förderte er den Ausbau der Musikbanda ebenso wie die Ausbildung junger Musiker/innen als Streicher für das vorhandene Orchester. Pfurtscheller kaufte Instrumente und bedachte die Musik auch in seinem Testament.

Eine zentrale Figur des Fulpmer Musiklebens für Kirchenmusik wie auch die Blasmusik im 19. Jahrhundert war Martin Denifl (1814 – 1891), privat, ehemals Schmied, Hausbesitzer, Ökonom, der nach Martin Happacher durch Jahrzehnte die Kirchen-, aber auch Blasmusik, im Ort prägte.

 

Auch die in der Schule angestellten Lehrer wurden zum Organistendienst und zur Pflege der Kirchenmusik verpflichtet, so kann man annehmen, dokumentiert ist dies erst ab den 1880iger Jahren. 

 

Cäcilienverein gegen den „alten Schlendrian“

In Brixen war 1852 der Cäcilienverein von Gregor Josef Zangl gegründet worden, mit dem Ziel, eine Abkehr von der klassischen und romantischen Kirchenmusik des frühen 19. Jahrhunderts zu bewirken, die als zu unkirchlich empfunden wurde. Die „zopfige Musik“, so wurde sie abfällig bezeichnet, sollte durch den Choral, Vorbilder der frühen polyphonen Kirchenmusik (Palestrina) und das Kirchenlied in der Volkssprache ersetzt werden.  

„1881 wurde mit dem alten Schlendrian gebrochen und zu einem dem kirchlichen Geiste mehr entsprechenden Musikchore der Grundstein gelegt durch den energischen Herrn Johann Holzmeister und der Beihilfe des Altchorregenten Martin Denifl, Lehrer Ludwig Ascher und Kapellmeister Johann Krösbacher“

(Aufzeichnungen von Karl Halbeis; Privatarchiv Dir. Barbara Halbeis-Alexander). 

Mit Sitz in Fulpmes wurde am 14. Februar 1883 der „Cäcilienverein Stubei und Umgebung“ gegründetund damit für die gesamte Region eine Wende in Gang gesetzt,

 „sowie überhaupt für die Verbesserung der Kirchenmusik namentlich im gewerblichen Fulpmes, seit einiger Zeit Rühmliches angestrebt wurde und zum Theil schon durchgeführt ist“,

liest man in einem Zeitungsbericht vom 14. April 1883.


Kompositionen von Mitterer, Höllwarth oder Zangl stellten nun das Kirchenmusik-Repertoire dar, während die figurierte Kirchenmusik der früheren Zeit vom Chor für einige Jahrzehnte verschwand.

So kann man lesen, dass zur Primiz des neugeweihten P. Raffael Huter 1886 die Festmesse von Kirms (mit Orchester) erklang, 1894 zu Primiz von Anton Halbeis die Kassiansmesse von Zangl.  (Aufzeichnungen von Karl Halbeis; Privatarchiv Dir. Barbara Halbeis-Alexander).
Nach 1900 erweiterte sich das Repertoire durch die Werke der deutschen Cäcilianer Haller, Filke, Faist und Grießbacher und blieb für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmend.  

Vielleicht hat sich durch diese Veränderungen in der Kirchenmusik im gleichen Jahr 1883 ein Streichorchester aus der Musikkapelle heraus gebildet, das sich nun vorwiegend der weltlichen Musik widmete und beim „Platzwirt“ ein erstes Konzert gab.

Richard Krösbacher, ein sehr gut ausgebildeter Musiker, leitete das Streichorchester neben der Musikkapelle und nach der Gründung des Stubaier Bauerntheaters 1903 wurde dieses Orchester gern als Bühnenmusik eingesetzt, sogar in Opernaufführungen („Der Freischütz“). 

 

Vinzenz Halbeis – eine Musiklegende

Im Jahre 1900 trat Vinzenz Halbeis (1874 – 1940) seinen Dienst als Lehrer  und ebenso als Chormeister in Fulpmes an. Bei Ignaz Mitterer in Brixen ausgebildet, war er ein hervorragender Organist, ausgestattet mit einem absoluten Gehör, der mit kunstvollen Präludien die Gottesdienste eröffnete und abrundete. Man erzählte sich auch, dass er prima vista ein Stück auf der Orgel zu transponieren in der Lage war. Er setzte sich in den 30iger Jahren durch die Gründung eines aus dem Kirchenchor hervorgegangenen Doppelquartetts, den „Stubachern“ besonders für die Pflege des Heimatliedes ein. Nach dem Anschluss von 1938 wurde diesen Aktivitäten ein Ende bereitet. 1940 starb Vinzenz Halbeis. 

 

Sein Nachfolger Siegfried Patscheider (in der Schulleitung wie in der Chorleitung) wurde zum Wehrdienst eingezogen. Er hatte die Schulleitung bereits 1934 übernommen und  einen Kinderchor gegründet, ebenso hatte er sich für die deutsche Betsingmesse intensiv eingesetzt. Seine Wehrmachtsdienststelle wurde nach Bozen verlegt, sodass er für den Kirchenchor nicht mehr zur Verfügung stehen konnte.

Margarethe Schmidt (1897 – 1961), eine aus Wien stammende Pianistin, rettete den Kirchenchor über die Kriegsjahre hinweg. Selbst nach dem Verbot der Gesangsproben im Pfarrhaus wagte sie es, diese in die eigene Wohnung zu verlegen.

1945 übernahm Patscheider wieder den Chor und führte ihn weiter bis 1966, Margarethe Schmidt stand noch einige Zeit als Organistin zur Verfügung.

Nun war die Strenge der cäcilianischen Zeit überwunden, Klassiker-Messen wurden wieder musiziert, Werke der  Romantik mit hereingenommen, wie etwa Messen von Karl Koch, die „Waldraster Krönungsmesse“ von Karl Nußbaumer oder die „Festmesse in F“ von Karl Pembaur.

Seit 1946 fungierte der Kirchenchor in Personalunion auch als Stubaier Heimatchor, der sich der Volksliedpflege widmete und mehr als 40 Jahre bestand.

1966 übernahm Johann Markt (geb. 1937) die Leitung des Chores, der die Literaturwahl fortsetzte und mit zeitgenössischen Werken erweiterte.

Kurt Mair führte den Chor bis 1994, zur Auflösung.

 

1994 kam es zu einer Neugründung des Kirchenchores durch Josef Wetzinger (geb. 1956), der zu diesem Zeitpunkt schon den Kirchenchor in Telfes mehrere Jahre lang geleitet hatte. Durch das Zusammenwachsen der Pfarren kam man sich auch in Fragen der Kirchenmusik näher und im Jahre 2004 wurde aus den beiden Ensembles der gemeinsam arbeitende Kirchenchor Fulpmes-Telfes, wie er heute besteht. 

 

Streichinstrumente, Zeugen einer großen Vergangenheit 

         Besonders interessante Zeugen Fulpmer Musikkultur sind die erhalten gebliebenen Streichinstrumente, deren es ja eine Menge gegeben hat, so die Tradition. Leider befinden sich heute nur noch zwei Violonen, eine Violine und eine Viola im Pfarrarchiv. Andere liegen vielleicht unbeachtet in Dachböden oder sind nicht mehr als Instrument der Kirchenmusik im Bewusstsein.
2004 wurde die Viola von Matthias Hornsteiner (1760 – 1803), Geigenbauer in Mittenwald und Konkurrent der berühmten Klotz-Geigenbauschule, nach Jahren wieder als Solo-Instrument eingesetzt und wird seither regelmäßig gespielt. 
                                                              
        

Ein Kontrabass lagerte in Fulpmes über Jahrzehnte im Dachgeschoß des Widums. Man sich zu einer Restaurierung des Instrumentes entschlossen, die mit freundlicher Unterstützung der Raiffeisenbank Fulpmes-Telfes und des Landes Tirol/Abteilung Kultur im Jahr 2009 auch umgesetzt werden konnte. 

 

Fünf Orgeln in nur 200 Jahren...

 

1748 wurde Johann Jäger aus Hindelang mit dem Bau einer Orgel für Fulpmes beauftragt (vom ersten Fulpmer Kuraten Georg Tangl, der sein Amt aus der Ferne verwaltet haben soll).

  1852-53 baute Franz Weber aus Oberperfuß (1825 – 1914) für 1200fl. ein neues Werk mit 24 Registern auf Auftrag des Kuraten Zimmermann, der sich große Verdienste um die Kirche und verschiedene andere Einrichtungen des Dorfes machte.

1859 erhielt Weber den Auftrag für die heute noch bestehende  Orgel in Medraz.

 

1893 baute Anton Behmann (1850 – 1932) aus Schwarzach in Vorarlberg für 2200fl.  eine neue Orgel mit 18 Registern und mechanischen Kegelladen.

1923 ließ Pfarrer Schöpfer von Clemens Holzmeister eine Erweiterung der Sängerempore planen und durch die Firma Reinisch einen Umbau der Orgel vornehmen.
11 Register wurden neu hinzugefügt, 14 aus der alten Orgel übernommen. Die Windversorgung  war pneumatisch. Die Kosten dafür: 120 Millionen Kronen.  

1979 wurde das pneumatische Werk durch das bestehende Instrument der Fa. Reinisch-Pirchner mit 21 Registern um 1.350.000 Schilling ersetzt. 

 

Text: Josef Wetzinger
Quellen: Musiknoten in Privatarchiven (Gottfried Kapferer, Barbara Halbeis-Alexander)
Mitteilungen von Dir. Barbara Halbeis-Alexander
„Fulpmes“ – Heimatbuch zur 700-Jahrfeier (verschiedene Autoren)
„Stubei“ 1891
Fotos: privat / Archiv des Kirchenchores  

 

 
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